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Lager und Logistik#

Lagerbewegungen mit/ohne Bewertung#

In vielen Unternehmen ist es üblich, dass es neben Artikelbeständen, die dem Unternehmen gehören, auch Artikelbestände gibt, die nicht Eigentum sind. Beispiele dafür sind:

  • Artikel, die zur Reparatur ins Haus kommen, teilweise dann auch bis zum Lieferanten weitergeleitet werden und repariert wieder an den Kunden gehen.
  • Artikel, die jemand anderem gehören aber vom Unternehmen verwaltet und an Kunden „vermietet“ werden.
  • Artikel, die ein Lieferant beim Unternehmen als Konsignationsware lagert
  • Artikel, die vermietet werden und deshalb zum Anlagevermögen zählen. Trotzdem werden sie bei Reparatur bzw. Aufarbeitung wieder wie ein Artikel behandelt.

Allen diesen Beispielen ist gemeinsam, dass sie im Lagerwert der Warenwirtschaft bzw. Lagerbestand der Finanzbuchhaltung nicht erscheinen dürfen. Außerdem dürfen sie auch keinen Einfluss auf den durchschnittlichen Einstandspreis des Artikels haben. Die Artikel werden also auf unterschiedliche Art und Weise durch das Lager und die Logistik bewegt, müssen aber immer (oder zumindest zeitweise bei Lieferantenkonsignation) aus der Bewertung ausgeschlossen sein.

Durch diesen Leistungsbereich wird es möglich Artikelbewegungen ganz normal im Lager und über die Logistik zu bewegen, ohne dabei Einfluss auf die Bewertung zu nehmen. Trotzdem ist es im Einkaufsprozess möglich, bei Eigentumsübergang die eigentlichen Sollkosten aus der Konsignationslieferung zu ermitteln.

Folgende Buchungsprozesse sind davon betroffen:

  • Fremdeigentum aus Konsignationslieferung wird durch Entnahme zu Eigentum.
  • Artikel in Eigentum wird verkauft. Bei einer späteren Rücknahme zur Verwaltung wird es als Fremdeigentum zurückgenommen.
  • Verkaufte Artikel werden zur Reparatur als Fremdeigentum verwaltet bzw. verbucht.
  • Eigentum wird zu Anlagevermögen durch die Vermietung des Artikels.
  • Mietgeräte im Anlagevermögen werden verkauft.
  • Zurückgenommener Artikel zur Verwaltung wird wieder ins Eigentum angekauft.
  • Stornierung der hier aufgezählten Buchungsprozesse

BenutzerInnen können je nach Buchungsprozess die Bewertungsart manuell durch die Verwendung von Buchungscodes setzen.

Darüber hinaus können jetzt für die unterschiedlichen Buchungsprozesse Buchungscodes mit der entsprechenden Bewertungsart eingerichtet werden. Während des Buchungsprozesses wird dann intern die Bewertungsart aus dem Buchungscode ermittelt. In den gebuchten Posten wird dies entsprechend im Feld Bewertungsart angezeigt.

Bei der Mengenbuchung wird die Bewertungsart entsprechend berücksichtigt. Bei der Faktura hingegen kommt es zu einer Fehlermeldung, wenn nicht mehr die gleiche Bewertungsart wie auf dem Artikelposten hinterlegt, verwendet wird.

In den Einkaufsbelegen (außer Rahmenbestellung, Anfrage, und Artikel Buch.-Blatt) kann das Feld „Buchungscode“ eingeblendet und definiert werden.

Für die globale Vergabe der Buchungscodes für einen Beleg und als Vorgabe für die Zeilen, kann in den Bestellarten der Buchungscode bereits vordefiniert werden. Weiterführende Informationen zum Thema globale Vergabe der Buchungscode bietet Ihnen der Bereich „Einkauf“.

Hinweis

Bitte beachten Sie bei den Einstellungen im Buchungsprozess, dass in jedem Buchungsprozess über das Feld „Bewertungsart“ festgelegt wird, wie diese Buchung in die Bewertung einfließt. Im resultierenden Artikelposten hat dann das gleichnamige Feld denselben Wert.

Dieses Feld wird ebenso auf „Ja“ gesetzt, wenn ein Ausgleich mit einem Artikelposten erfolgt, bei dem das Feld gesetzt ist. Die Auswirkungen der drei Optionen (Bewertet / Gemischte Bewertung / Unbewertet) sind im Folgenden beschrieben.

Hinweis

Eine Istmeldung ist immer eine bewertete Buchung

Gemischte Bewertung#

Wenn Einkaufskonsignationsware angeliefert wird, dann erfolgt die Verbuchung als Einkaufslieferung. Im Buchungsprozess wird das Feld „Bewertungsart“ auf den Wert „Gemischte Bewertung“ gesetzt. Dadurch werden die Sollkosten der Lieferung nicht in das Feld „Einstandsbetrag (erwartet)“ geschrieben, sondern in das Feld „Einstandsbetrag (unbewertet)“. Die Menge wird zusätzlich in das Feld „Unbewertete Menge“ übertragen und im Artikelposten das Feld „Bewertungsart“ ebenfalls auf „Gemischte Bewertung“ gesetzt.

Bei einer ausgehenden Buchung wie Verkauf, Abgang oder Verbrauch prüft das System, ob das Feld „Bewertungsart“ im ausgeglichenen Artikelposten den Wert „Gemischte Bewertung“ enthält. Ist dies der Fall, werden über die Ausgleichskette die beginnenden eingehenden Artikelposten ermittelt. Sortiert nach den ältesten erhalten diese Artikelposten jeweils einen neuen Wertposten für Sollkosten wie im Standard. Bei diesem Wertposten wird das Feld „Unbewertete Menge“ mit der Ausgleichmenge gefüllt.

Der „Einstandsbetrag (unbewertet)“ errechnet sich jetzt aus der Unbewerteten Menge * Unbewerteter Lagerwert pro Einheit des ersten Wertpostens. Einstandsbetrag (erwartet) ist dann der Reverse -Wert aus Einstandsbetrag (unbewertet).

Bei einer Stornierung wird dieser Sachverhalt in umgekehrter Weise durch einen weiteren Wertposten gebucht.  

Buchungsbeispiel:
Bei dem Beispiel existiert für den Artikel bereits eine bewertete Einkaufslieferung über 20 Stück zu den Sollkosten von 200,-€. Dies ergibt auf der Artikelkarte einen Einstandspreis von 10,-€

Jetzt erfolgt eine Einkaufskonsignationslieferung, die gemischt bewertet wird über 10 Stück zu 110,-€. Der Einstandspreis wird durch diese Lieferung nicht tangiert.

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Jetzt wird die Menge aus der Konsignationslieferung von einem Lagerort auf einen anderen Lagerort umgelagert. Auch diese Buchung hat keinen Einfluss auf den Einstandspreis.

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Jetzt werden von dieser umgelagerten Menge 6 Stück verbraucht. Dadurch werden jetzt auf dem ursprünglichen Einkauf durch einen weiteren Wertposten 6 Stück von unbewerteter Menge auf bewertete Menge umgestellt und die Sollkosten hergestellt.

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Bei einem Verkauf der verbliebenen 4 Stück werden wiederum auf den ursprünglichen Einkauf durch einen weiteren Wertposten 4 Stück von unbewerteter Menge auf bewertet umgestellt und die Sollkosten werden wiederhergestellt.

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Die Verbrauchsbuchung über 6 Stück wird storniert. Durch die Bewertungsart = gemischt bewertet erkennt das System, dass jetzt auch die 6 Stück auf dem ursprünglichen Zugang wieder auf unbewertet gedreht werden müssen.

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Zum Abschluss werden jetzt wieder 3 Stück verbraucht und somit 3 Stück auf bewertete Menge umgedreht.

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Unbewertet#

Im Reparaturfall werden Artikel über eine Verkaufsreklamation zur Verwaltung wieder aufs Lager verbucht. Die Artikel befinden sich aber weiterhin im Fremdeigentum und stellen eine unbewertete Menge dar. Daher wird im Buchungsprozess die „Buchungsart“ auf „unbewertet“ gesetzt. Hierdurch werden evtl. Einstandsbeträge nicht in die beiden Standardfelder „Einstandsbetrag (erwartet)“ und „Einstandsbetrag (tatsächlich)“ geschrieben, sondern in das Feld „Einstandsbetrag (unbewertet)“.

Wird dieser Artikelposten wiederum ausgeglichen (z.B. durch eine Einkaufsreklamation bei Reparatur durch den Lieferanten oder über einen Verkaufsauftrag bei wiederum der Auslieferung an den Kunden) vererbt sich die Buchungsart weiter.

Zusätzlich wird hier bei Buchungsart = unbewertet die Menge immer auch in Unbewertete Menge eingetragen, damit diese Posten keinen Einfluss auf die Einstandspreisberechnung haben.

Liefert der Lieferant den reparierten Artikel wieder zurück muss auch hier im Buchungsprozess die „Buchungsart“ auf „unbewertet“ gesetzt werden, wodurch das gleiche Verhalten wie oben bei der Verkaufsreklamation erfolgt.

Stornierungen sind hier gleich zu behandeln. Wichtig ist nur, dass die „Buchungsart“ auf „unbewertet“ gesetzt und dadurch auch die Unbewertete Menge gefüllt wird.

Buchungsbeispiel:
Bei dem Beispiel existiert für den Artikel bereits eine bewertete Einkaufslieferung über 20 Stück zu den Sollkosten von 200,-€. Davon werden 10 Stück zu 100.-€ bewertet verkauft. Dies ergibt auf der Artikelkarte einen Einstandspreis von 10,-€

Jetzt erfolgt die Reparaturannahme, die im Buchungsprozess die Bewertungsart auf dem Artikelposten auf unbewertet hat. Dadurch werden jegliche Kosten (auch bei einer späteren Lagerregulierung unter Verwendung der Einstandspreisrückverfolgung) weder in den Einstandsbetrag (erwartet) noch in den Einstandsbetrag (tatsächlich), sondern in den Einstandsbetrag (unbewertet) geschrieben. Somit tangiert dieser Buchungsfall den Einstandspreis auf der Artikelkarte nicht.

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Zur Reparatur muss der Artikel an den Lieferanten über eine Einkaufsreklamation weitergeleitet werden. Beim Artikelausgleich wird die Bewertungsart = unbewertet weitervererbt. Zusätzlich wird an dem Wert unbewertet festgestellt, dass in diesem Fall am ursprünglichen Verkaufsposten keine Änderung wie bei Einkaufskonsignationsware erforderlich ist. )

Der reparierte Artikel kommt vom Lieferanten zurück und wird per Bestellung eingelagert. Die Buchung wird als unbewertete Buchungsart gekennzeichnet.

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Zum Abschluss wird der reparierte Artikel wieder an den Kunden ausgeliefert.

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Verwaltung von Fremdeigentum Wird Ware, die sich in Fremdbesitz befindet in der Warenwirtschaft verwaltet, so ist das der gleiche Buchungsvorfall wie im Reparaturablauf.

Wandeln von Eigentum in Fremdeigentum In einzelnen Branchenlösungen werden Artikel nicht direkt an Kunden verkauft. Vielmehr wird dies als eine Umlagerung abgebildet, da z.B. ein Dritter nachträglich die Ware bezahlt und daher in dessen Eigentum übergeht. Die Artikel werden ab diesem Zeitpunkt wie Fremdeigentum weiter in der Warenwirtschaft verwaltet. Daher wird dieser Sachverhalt hier zwar mit beachtet auch wenn keine zusätzliche Implementierung erfolgt.

Buchungsprozesse Wandlung Eigentum in Fremdeigentum

Bei dem Beispiel existiert für den Artikel bereits eine bewertete Einkaufslieferung über 20 Stück zu den Sollkosten von 200,-€. Davon werden 10 Stück zu 100.-€ bewertet ausgeliefert als Umlagerung. Dies ergibt auf der Artikelkarte einen Einstandspreis von 10,-€

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Nachdem der Dritte der Kostenübernahme zugestimmt hat, erfolgt die Wandlung von Eigentum in Fremdeigentum. Da der Artikel aber weiterhin verwaltet – sprich umgelagert – wird, erfolgt eine Abgangs- und anschließende Zugangsbuchung, um hier die Lagerregulierung zu beenden.

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Ab jetzt kann der Artikel wieder als Fremdeigentum als unbewertete Menge verwaltet und gebucht werden.

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Ankauf von Fremdeigentum

Wenn Fremdeigentum wieder in Eigentum übergehen soll, ist dies eigentlich der klassische Verkaufsreklamationsfall. Wurden die Artikel zuvor aber als Fremdeigentum verwaltet muss hier manuell zusätzlich ein Abgang gebucht werden.

Gemischte Bewertung#

Bei einer gemischten Bewertung dürfen nur die bewertete Menge neubewertet werden. Da im Standard schon eine Neubewertung von Sollkosten nur sehr restriktiv möglich ist, wird es bei einer gemischten Bewertung zur Reduzierung der Komplexität ausgeschlossen. Daher darf ein Artikelposten nur neubewertet werden, wenn das Feld Bewertungsart den Wert bewertet ausweist.

Weitere Zeilenarten in der Logistik#

In Microsoft Dynamics Business Central™ kann in den folgenden Logistikbelegen:

  • Lagereinlagerung
  • Lagerkommissionierung
  • Wareneingang
  • Warenausgang

nur die Abwicklung für die Zeilenart „Artikel“ durchgeführt werden. Dieser Leistungsbereich wurde in KUMAVISION factory365 um die Logistikbelege für die Verarbeitung der weiteren Zeilenarten aus Einkauf und Verkauf erweitert.

Einrichtung#

Logistik Einrichtung#

In der Logistik Einrichtung haben Sie die Möglichkeit, die Einrichtung ob weitere Zeilenarten für den Wareneingang und den Warenausgang möglich sind vorzunehmen.

Rufen Sie sich zunächst über die Anwendersuche die „Logistik Einrichtung“ auf.

Auf dem Inforegister „Allgemein“ über die Schalter „Zusätzliche Arten für Empfang“ und „Zusätzliche Arten für Lieferung“ können Sie die Zeilenarten aktivieren.

Lagerort#

Auf der Lagerortkarte muss der einstufige Logistikprozess für den Wareneingang und Warenausgang aktiv geschaltet werden.

Finanzbuchhaltung#

In der Finanzbuchhaltung muss im Kontenplan die Sachkonten für den Einkaufs- oder Verkaufsprozess für die Direktbuchung freigeschaltet werden.

Allgemein#

Nach erfolgreicher Aktivierung können nun in den Verkaufsprozessen:

  • Artikel
  • Artikel Zu/Abschläge
  • Ressourcen
  • Sachkonten

sowie in den Einkaufsprozessen:

  • Artikel
  • Artikel Zu/Abschläge
  • Sachkonten

über die Logistikbelege verarbeitet werden. Damit können Ladungsträger, Frachtleistungen, Handlungskosten, Dienstleistungen und artikelneutrale Aufwände per Lieferschein gesendet und vereinnahmt werden.

Alle Logistikbelege und Buchblätter sind um zwei neue Spalten erweitert:

Feld Beschreibung
Belegzeilen Art Die Belegzeile Art kennt die gleiche Option wie in den Belegzeilen selbst: , Sachkonto, Artikel, Ressource, WG/Anlage und Zu-/Abschlag (Artikel)
Je nach Art entspricht die Belegzeile Nr. dann einem Sachkonto, Artikel, Ressource, WG/Anlage oder Artikel Zu-Abschlag.
Beim Erstellen der Logistikbelege werden dann nicht mehr nur die Zeilen der Art=Artikel, sondern alle Zeilen – außer Textbausteine (Art = leer) und die Zeilenarten für die Belegstrukturierung (Überschrift, Von Zwischensumme, Ende Zwischens./Bundle, Bundle) übernommen.
Belegzeilen Nr. Diese entspricht dem Feld Nummer im entsprechenden Beleg